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2026-01-115 min

Der Wendepunkt beginnt leise

Was sich nach dem Tiefpunkt wirklich verändert – und warum diese stille Phase keine Sackgasse ist, sondern Übergang.

Stille und Übergang

Was sich nach dem Tiefpunkt wirklich verändert. Dieser Text ist für die Zeit danach – für eine Phase, in der es noch keine Antworten und Entscheidungen gibt. Für diesen seltsamen Moment, in dem etwas zu Ende gegangen ist und noch nichts Neues da ist.

Nach dem Tiefpunkt kommt selten Klarheit

Viele erwarten, dass nach einem Tiefpunkt eine Klarheit entsteht und man plötzlich weiss, wie es weitergehen soll. Man hat die Hoffnung, dass Entscheidungen leichter werden oder dass zumindest eine Richtung spürbar ist.

Doch meistens passiert das nicht. Stattdessen entsteht ein Raum ohne Erklärung, ohne Plan – und es ist ruhig. Das ist kein Rückschritt, sondern eine Übergangsphase.

Warum der Tiefpunkt oft der Anfang ist

Ein Tiefpunkt kann Erleichterung bringen, weil endlich klar ist, dass es so nicht weitergehen kann. Erst durch einen Tiefpunkt lernen wir, dass etwas zu Ende gekommen ist, was lange nicht mehr getragen werden konnte.

Wir kennen sie alle: die Komfortzone – diese gemütliche Zone, in der Veränderung kaum möglich ist. Doch viele fürchten sich davor, aus der Komfortzone zu gehen, weil Veränderung meistens unbequem ist. Den Tiefpunkt sehen viele als Fall an – und nur wenige sehen den Raum, den es für neue Möglichkeiten gibt.

Neuausrichtung und Stille

Warum Veränderung mit Anhalten beginnt

Veränderung wird oft mit Mut, Aktion und klaren Schritten nach vorn gleichgesetzt. Doch innerlich beginnt Veränderung häufig anders: mit Stille, Aushalten.

Ein Wendepunkt – dieses innerliche, leise Flüstern – fragt nicht: «Was mache ich jetzt?», sondern: «Was will ich so nicht mehr weiterführen?» Und genau da beginnt Veränderung: wenn diese Stimme so laut wird, dass sie uns trägt in den ersten Schritten des Wendepunkts.

Warum sich diese Zeit einsam anfühlen kann

Viele erleben diese Phase als einsam – nicht, weil niemand da ist. Sondern weil das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch leise ist und keine Form hat. Doch es wird klar, dass Zurückgehen keine Option ist. Jedoch fühlt sich der erste Schritt nach vorne noch nicht richtig an.

Dies fühlt sich häufig wie ein Stillstand an, es ist aber Orientierung auf einer tieferen Ebene. Diese Phase des Sich-verloren-Fühlens gibt Raum für Neuordnung und einen Neuanfang.

Wenn du gerade mittendrin steckst

Vielleicht befindest du dich genau dort, wo sich Körper, Nervensystem und dein Inneres neu ausrichten. Vor der Neuordnung bzw. dem Neuanfang kommt oft der Zusammenbruch, der Tiefpunkt. Man beginnt zu erkennen, wo man sich lange angepasst hat. Es scheint wie eine dunkle Wolke der Erkenntnis. Diese Phase ist nicht einfach, aber ehrlicher – und dies verändert viel.

Drei Fragen für dich

Nimm sie nicht als Aufgabe, sondern als Einladung.

  • Wo versuche ich gerade, etwas zu beschleunigen?
  • Was in mir braucht Raum, nicht Antwort?
  • Was wäre, wenn ich dieser Unsicherheit nicht ausweiche?

Der Wendepunkt ist der Übergang, nicht die Lösung

Nicht alles, was sich leer anfühlt, ist Verlust. Manches ist Vorbereitung. Der Wendepunkt ist der Moment, in dem du aufhörst, dich neu zu erfinden, und beginnst, dir selbst wieder zuzuhören. Und genau dort setzt der nächste Text an.

Der Wendepunkt beginnt leise | Corinne Vanarelli